Peter Iljitsch Tschaikowsky

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Am kommenden Samstag ist es soweit. Meine Tochter und ich besuchen das Ballett und sehen uns Schwanensee an. Als kleine Ballerina kann meine kleine Tochter die Tage kaum abwarten, bis wir die Vorstellung besuchen und freut sich darauf sogar mehr als auf Weihnachten. Das will etwas heißen.

Aber was löst diesen Zauber in ihr aus? Ganz einfach, Tschaikowsky hat mit seinen Ballettstücken etwas erschaffen, das Generationen von Menschen in Ihren Bann zieht und träumen lässt. Darum widme ich den Artikel heute diesem begabten Mann.

Schwanensee und viele Träume

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Peter Iljitsch Tschaikowsky wurde 25. Apriljul./ 7. Mai 1840greg. als Sohn eines Bergingenieurs und einer Mutter, deren Familie aus Frankreich immigriert war, geboren. Er und seine fünf Geschwister wurden zu Beginn musikalisch nicht geprägt, was damals in Arbeiterfamilien nicht unüblich war.

Und doch beschäftigte sich Peter sehr früh mit Kultur, was auf die Prägung der Gouvernante Fanny Dürbach zurückzuführen ist. Mit ihr blieb er sein Leben lang in Kontakt. Le petit Pouchkine (der kleine Puschkin) wie ihn Fanny zärtlich nannte, schrieb unter ihrer Obhut schon früh Gedichte.

Noch keine fünf Jahre alt, lernte Peter bereits auf einem mechanischen Klavier Tonleitern und kleine Stücke spielen. Begeistert von seinem Talent engagierte der Vater die Klavierlehrerin Maria Paltschikowa. Schnell spielte er die Stücke nach Noten besser als sie selbst. Der Weg zum Komponisten war geebnet.

Der Wunsch seines Vaters war jedoch, dass Peter in den Staatsdienst ging. Er besuchte von 1850 bis 1859 die Rechtsschule in Sankt Petersburg und war danach im Justizministerium tätig.

Rudolf Kündinger sein damaliger Klavierlehrer sagte späte folgendes über ihn aus.

„Er war ohne Zweifel sehr talentiert, besaß ein feines Gehör und gutes Gedächtnis, daraus konnte man aber noch nicht folgern, dass aus ihm einst ein großer Pianist, geschweige denn ein berühmter Komponist werden könnte […] Das einzige, womit er meine Aufmerksamkeit in etwas höherem Maße fesselte, waren seine Improvisationen.“

Der Künstler behielt Recht. Tschaikowsky wurde kein Pianist, sondern einer der bekanntesten Komponisten seiner Zeit!

Der selbstkritische Komponist

In den kommenden Jahren wurde Peter jedoch dieses Lebens als Beamter überdrüssig. Zu sehr zog es ihn zur Musik hin. 1862 trat Tschaikowsky in das von Anton Rubinstein gegründete Petersburger Konservatorium ein. Dort wurde er in „Komposition und Instrumentation“ unterwiesen. 1866 wechselte er nach Moskau und arbeitete dort als Dozent am Moskauer Konservatorium.

In Moskau entstanden seine ersten bis heute bekannten Kompositionen, darunter die 1. Sinfonie und die Ouvertüre Romeo und Julia. So ein romantisches Stück!

Allerdings reagierte er sehr sensibel auf Kritik und wurde darüber oftmals sehr depressiv. Beispielsweise verbrannte er seine schriftlichen Kritiken sofort.

Über die Uraufführung seiner Oper Der Opritschnik (Leibwächter) im Jahr 1874 schrieb der von Selbstzweifeln geplagte Komponist folgendes an einen seiner Schüler.

„Die Oper ist so schlecht, dass ich es bei den Proben nicht aushalten konnte und davonlief, um keinen Ton mehr zu hören; in der Vorstellung war mir zumute, als müsse ich versinken vor Scham.“

Wenn er doch nur gewusst hätte, was aus seinen in den Jahren folgenden Stücken werden würde.

Es bedarf einen der an Dich glaubt – Auch bei großen Künstlern

Die Jahre 1874- 1877 brachten die Wende. Die Kritik seines Freundes und Lehrers Rubinstein bewegten Peter sehr. Nachdem er ihm eine Komposition vorspielte und dieser nicht angetan war von seiner Arbeit schrieb der junge Komponist an seine Freundin Nadeschda von Meck

„Ich spielte den ersten Satz. Nicht ein Wort, nicht eine Bemerkung … Ich fand die Kraft, das Konzert ganz durchzuspielen. Weiterhin Schweigen. ‚Nun?‘ fragte ich, als ich mich vom Klavier erhob. Da ergoss sich ein Strom von Worten aus Rubinsteins Mund. Sanft zunächst, wie wenn er Kraft sammeln wollte, und schließlich ausbrechend mit der Gewalt des Jupiter Tonans. Mein Konzert sei wertlos, völlig unspielbar. Die Passagen seien so bruchstückhaft, unzusammenhängend und armselig komponiert, dass es nicht einmal mit Verbesserungen getan sei. Die Komposition selbst sei schlecht, trivial, vulgär. Hier und da hätte ich von anderen stibitzt. Ein oder zwei Seiten vielleicht seien wert, gerettet zu werden; das Übrige müsse vernichtet oder völlig neu komponiert werden.“

Kaum vorstellbar, dass diese Aussage von jenem Komponisten stammt, der gerade  in der Weihnachtszeit uns alle mit seinen Werken erfreut.

Den Vorschlag Rubinsteins das Konzert zu überarbeiten, löste Tschaikowsky folgendermaßen. Er sandte das ganze Stück dem Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow zu, da dieser bekannt war, seine Programme mit modernen Werken zu „würzen“.  Genialer Schachzug, nicht wahr ?!

Dieser spielte 1875 das Stück in Boston persönlich und sein Publikum war begeistert. Selbst Rubinstein revidierte später seine schlechte Meinung über dieses Werk.

Schwanensee

Schwanensee
Schwanensee (Pixabay)

In dieser Zeit entstand das Stück Schwanensee. Jenes wurde 1877 unter widrigen Umständen uraufgeführt. Jedoch wurde dieses Stück erst nach seinem Tod zu einem Klassiker des Balletts. Wie so oft, bei bekannten Komponisten. Mehr dazu aber in einem Artikel über das Balletstück selbst.

Tschaikowsky reiste in den folgenden Jahren über die Grenzen Russlands hinaus. Paris, Neapel, Bayreuth. Bei diesen Reisen bemerkte er erst, dass sein Ruf weit über Russland bekannt war.

Trotz dieser Ehrung folgten Jahren der Krise. Es entstand eine innige Brieffreundschaft zu Nadeschda von Meck. Jedoch ist er ihr nie persönlich begegnet. Darauf legte er großen Wert.

Aufgrund seiner Homosexualität hatte er in der damaligen Zeit große Schwierigkeiten. Dennoch heiratete er im Jahr 1877 Antonina Iwanowna Miljukowa, da sie ihn unter Druck setzte und er Mitleid mit ihr hatte. Diese Beziehung hielt jedoch aufgrund der Verschiedenheiten und des mangelnden Interesses an Musik ihrerseits, nur 3 Monate. Allerdings wurde die Ehe nie geschieden.

Noch ein Grund mehr für Peter, am Leben zu verzagen.

Eine weitere helfende Hand

Dank seiner Gönnerin Frau von Meck konnte er sich auf Reisen erholen und endlich große Erfolge verbuchen und doch war er stets großer Kritik ausgesetzt.

Kein Wunder also, dass darauf 1878–188 ein erneute Tief folgte, obwohl er durch seine französischen Verleger Mackar und Jurgenson gefördert wurde und weitere Werke schrieb.

Die bekanntesten aus dieser Zeit sind die Werke Die Jungfrau von Orleans, Capriccio Italien, das 2. Klavierkonzert G-Dur op. 44.

Sozialer Aufstieg

1884 folgte dann endlich sein sozialer Aufstieg als er nach einer Aufführung von Mazeppa von Zar Alexander III. den Wladimirorden vierter Klasse erhielt.

1887 überwand Tschaikowsky seine Hemmungen und fing an, Konzerte selber zu dirigieren. Es folgten Tourneen durch Europa. Berlin, Prag, London, Dresden, Köln und Frankfurt am Main. 1891 folgten Reisen nach New York, Philadelphia und Baltimore.

Ab 1888 entstanden die 5. Sinfonie e-Moll op. 64, das Ballett Dornröschen, die Ouvertüre Hamlet, die Oper Pique Dame und das traumhaft schöne Ballett Der Nussknacker.

Tschaikowsky verstarb am 25. Oktoberjul./ 6. November 1893greg. plötzlich und unerwartet. Man vermutet, dass er der Cholera erlag, wobei man bis heute nicht weiß, ob er sich diese absichtlich zugezogen hat. Er wurde auf dem Friedhof des Alexander-Newskij-Klosters in St. Petersburg begraben.

Er hinterließ uns die schönsten Werke der Oper und Ballettgeschichte, von denen bis heute klein und groß träumen.

Danke lieber Peter Iljitsch Tschaikowsky

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