Perlen Südwestdeutschlands

Mit „Perlen Südwestdeutschlands“ beginne ich eine Kolumne über wunderbare Städte, magische Reiseziele und verträumte kleine Ortschaften im Südwesten Deutschlands. Historisch belegt bekommt Ihr einen Einblick in die Entstehung dieser Perlen und vielleicht auch den Anreiz Euch auf eine Reise zu dem ein oder anderen Ort zu begeben.

Speyer – Europas Reformationsstadt

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Speyer von oben (Quelle Pixabay)

Speyer ist eine alte Stadt am Rhein, welche im Mittelalter Ihre bekannteste Erwähnung gefunden haben dürfte. Nämlich zur Zeit der Reformation, als die dort abgehaltenen Reichstage insbesondere in den Jahren 1526-1529  ihren Höhepunkt fanden. Bei einem Protest erreichten die Fürsten, dass ihnen die Entscheidung in Glaubensfragen überlassen wurde. Von nun an stand es in der Entscheidung der Landesfürsten, ob die Verbreitung von Luthers Schriften, welche bis dato verboten waren, in Umlauf gebraucht werden durften oder nicht. Das Wormser Edikt wurde im Jahr 1526 somit außer Kraft gesetzt, um im Jahre 1529 auf einem Reichstag wieder erneut in Kraft zu treten. Der Mut, welchen daraufhin 19 evangelische Fürsten bewahrten, veränderte die christliche Geschichte grundlegend. Sie traten öffentlich für ihre Überzeugung ein und protestierten gegen die Verhängung der Reichsacht (Ächtung) über Martin Luther. Die protestantische Kirche war geboren.

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Lutherdenkmal ( Quelle Pixabay)

Speyer 2000 Jahre alte Perle

Wie jede Perle die sehr lange reift wurde Speyer jedoch erst durch seine lange Geschichte wertvoll.

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Reise in die Vergangenheit nach Speyer (eigenes Bild)

Schon um Christi Geburt gab es erste Erwähnungen der Siedlung Noviomagus – „neues Feld“, sie wurde  später unter dem Namen Nemetum bekannt. Nach der Zerstörung durch die Alemannen wurde diese Siedlung im 4. Jahrhundert wieder aufgebaut. Im Jahr 346 bekam die Stadt einen Bischof und blieb somit bis ins 5. Jahrhundert Bischofssitz. Doch die Römer konnten die Rheingrenze nicht mehr halten und zogen sich aus dem Gebiet zurück. Nemetum fiel an die Alemannen .
Durch einen Sieg der Franken im Jahr 496 unter Merowingerkönig Chlodwig (466-511) und dem Fall der Alemannen entstanden fränkische Siedlungen in der Umgebung Nemetums. Die Stadt wuchs wieder und wurde im 6. Jahrhundert erneut Bischofssitz unter dem Namen „Spira“.

Im Jahr 838 fand der Erste von insgesamt 50 Reichstagen bis zum Jahr 1570 statt. Nachdem Spira die alleinige Gerichtsbarkeit unter Kaiser Otto dem Großen erhalten hatte, war der Bischof von Speyer auch Stadtherr.

Im Jahr 1030 wurde dann der erste Stein für den bekannten Dom zu Speyer gelegt, welchen wir so lieben.

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Der Dom zu Speyer (eigenes Bild)

Dem Salierkönig Konrad II. war es ein Anliegen, die größte Kirche des Abendlandes zu errichten. Jedoch starb er im Jahr 1039 und  wurde im unfertigen Dom zu Speyer bestattet. Er sollte nicht mehr sehen, welch großes Bauwerk er in Auftrag gegeben hatte. Aber mehr zu der Entstehung des Doms in einem anderen Artikel, welcher bald folgen wird.

Freie Reichsstadt Speyer

Bis ins 13. Jahrhundert blühte Speyer auf. Es entstand eine jüdische Siedlung durch die Auswanderung jüdischer Handelsleute aus Mainz. Ihnen wurden besondere Rechte und Schutz geboten. Die Bürger der Stadt bekamen Privilegien, wie die Aussetzung der Erbschaftssteuer und dass sie sich nicht mehr vor Gerichten außerhalb der Stadt verantworten mussten und somit eine gewisse Sicherheit und Freiheit für alle bestand. Im Jahr 1198 durften die Bürgen einen eigenen Stadtrat wählen und eben jene Wahl führte zu Konflikten zwischen den Bürgern Spiras und dem Bischof. Der Bischof verlor dadurch die Stadtherrschaft.
Die Stadt verwaltete und regierte sich nun selbst – Speyer wurde zur freien Reichsstadt.

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Torbogen am Dom (eigenes Bild)

Obwohl die Ratsmitglieder Zünfte aufstellen durften, saß bereits  1316 keines der Zunftmitglieder mehr im Rat. 1327 wurde die Ratsordnung geändert und 15 Münzer und Hausgenossen und 16 Zunftmitglieder waren im Rat vertreten. Im Jahr 1330 versuchte der Stadtpatriziat (Münzer und Hausgenossen)  das Stadtregiment militärisch zurückzugewinnen und scheiterte. Mit der Folge, dass ab 1349 nun Münzer und Hausgenossen eine Zunft bilden mussten.

Die Pest

Im Jahr 1349 brach eine Pestepedemie in der Stadt aus. Wie in so vielen Städten Europas greift nun der schwarze Tod um sich. Zur damaligen Zeit wurden gerne Schuldige gesucht und wie so oft in der Geschichte, fiel die Wahl auf die Juden der Stadt. Ihnen wurde vorgeworfen, den Brunnen mit Trinkwasser vergiftet zu haben. Welch Idiotie! Eine Judenverfolgung mit vielen Opfern nahm ihren Lauf. Doch glücklicherweise hielt dies nicht lange an und im Jahr 1352 wurden Juden wieder offiziell in der Stadt zugelassen.

Das 15. und 16. Jahrhundert – Die Reformation

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Quelle Pixabay

Die im Jahr 1381 dem Rheinischen Städtebund beigetretene Stadt musste sich im 15.Jahrhundert erneut Auseinandersetzungen mit dem Bischof stellen. Jedoch konnte sich die Stadt als freie Reichsstadt behaupten. Der Bischof scheiterte.

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Teilausschnitt des Lutherdenkmals in Speyer * Quelle Pixabay

Wie schon erwähnt erfolgte der Reichstag der „Protestation“ in Speyer.
Mit dem Wormser Edikt im Jahr 1521 wurden die Schriften Luthers verboten. Jedoch stellte der Beschluss des Reichstags zu Speyer im Jahr 1526  den Reichsständen frei das Edikt umzusetzen. 1529 wurde dieser Beschluss auf einem erneuten Reichstag in Speyer aufgehoben. Es folgte der Protest protestantischer Fürsten. Mit Erfolg, Speyer wurde lutherisch und Michael Diller der erste offizielle protestantische Prediger.

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Protestantische Kirche in Speyer (Quelle Pixabay)
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Bibel in deutscher Sprache (Quelle Pixabay)

Kriegsjahre

Sowohl im 30 jährigen Krieg als auch im pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Speyer mehrmals besetzt und im Jahr 1689 fast vollständig von den Franzosen niedergebrannt. 28 Jahre später, im Jahre 1717 war Speyer war nun wieder aufgebaut und die lutherische Dreifaltigkeitskirche wurde eingeweiht. Doch schon 1792 eroberten französische Truppen Speyer.
1797 wurde die Stadt Teil des französischen Départements Mont Tonnerre (Donnersberg). Jedoch erst im Dezember 1813 im Zuge der Befreiungskriege zog die französische Besatzung wieder ab.

Somit war die Stadt fast zwei Jahrhunderte von Krieg geprägt. Welch schlimme Vorstellung, nicht wahr?!

Neue Zeiten

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Königliche Krone aus Bayern ( Quelle Pixabay)

Es folgten Friedenszeiten und eine Neuordnung der Staaten. Im Jahr 1815 fiel die linksrheinische Pfalz an das Königreich Bayern. Speyer wurde somit 1816 Kreishauptstadt des bayerischen Rheinkreises. Das Bistum Speyer wurde neu errichtet und die reformierten und lutherischen Gemeinden der Pfalz vereinten sich. Sie feierten  diese Union in der Dreifaltigkeitskirche.

Erneute Kriege

Dann folgten die zwei Weltkriege. Französische Truppen marschierten im Dezember 1918 in Speyer ein. Die Besatzung der Stadt hielt bis Mai/Juni 1930 an. Im November 1923 besetzten die Separatisten Post, Rathaus und Regierungsgebäude Speyers. Die „Autonome Regierung der Pfalz“ wurde ausgerufen. Durch ein Attentat im Jahr 1924, bei dem der Anführer der Separatisten erschossen wurde, endete jedoch prompt ihre Herrschaft.

Ab 1933 saß nur noch die NSDAP im Stadtrat und 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. Es folgen Jahre voller des Horrors. Die Juden wurden deportiert und mussten wieder einmal entsetzliches Greueltaten erleiden. Speyer wurde bombardiert und sowohl das historische Rathaus als auch das heutige Stadthaus wurden bei dem ersten Luftangriff getroffen.

Am 24.03.1945 eroberten amerikanische Truppen Speyer und erklärten am 30.03.1945 die Stadt zum Teil der französischen Besatzungszone.

Nachkriegsjahre

Nachdem 1946 die ersten freien Wahlen seit 1933 stattfanden, wurde  Speyer kreisfreie Stadt und Teil des Bundesland Rheinland-Pfalz.

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Quelle Pixabay

Es folgten Wiederaufbau und Restaurierung. Die Stadt erlebte einen selten zuvor  erreichten neuen Glanz, welcher durch viele Partnerschaften zu anderen Städten gestärkt wurde. Nie wieder soll sich solch eine Zeit des Krieges und der Kämpfe über Speyer legen.

Dieser Wunsch wurde 1998 durch eine Städtepartnerschaft mit Yavne (Israel) bestärkt.

1990 feierte Speyer das Stadtjubiläum „2000 Jahre Stadt Speyer“.

Im Jahr 2017 wurde Dr. Helmut Kohl, der Kanzler der Wiedervereinigung, in Speyer beerdigt. Durch diese Trauerfeier kam Speyer erneut in den Fokus der Welt. Schon zuvor bedachte man ihn im Portal des Domes seiner Verdienste im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands.

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Gedenktafel für Helmut Kohl (eigenes Bild)

2000 Jahre voller Glanz und Anmut, aber auch voller Kämpfe und Kriege. Speyer eine Perle am Rhein und die Geschichte um Speyer geht weiter….

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Dom bei Nacht (eigenes Bild)
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Innenstadt von Speyer an einem Nachmittag im Herbst (eigenes Bild)

2 Kommentare zu „Perlen Südwestdeutschlands

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